Tag Archive Clarissa Pinkola Estes

Die Robbenfrau

Die Robbenfrau

Die Verbindung von Mann und Frau bedeutet fast immer einen Verlust für beide Seiten: Die Aufgabe des Ur-Weiblichen auf der einen, das Versäumen des Reif-Männlichen auf der anderen. In einer modernen Interpretation des Märchens von der Robbenfrau wird dieses Drama ebenso wie seine Erlösung deutlich.

von Cordula Frei

20198_644606782336350_8277781300147123531_n                                             artwork Carter Murdoch

In der Psyche der Frau und des Mannes leben  archaische Kräfte, an die wir  durch Märchen und  Mythen anknüpfen können. So lassen sich mithilfe lebendiger Seelenbilder alte Initiationskräfte auch in der heutigen Zeit neu integrieren . Das Märchen von der Robbenfrau, das uns hier dienen soll, ist  bei  keltischen Volksstämmen, bei den Eskimos und in Nordsibirien verbreitet. Aber auch Laurens van der Post hat in seiner Geschichte Der Sternenkorb ein ähnliches Motiv der Buschmänner in Afrika aufgegriffen. Die Geschichtenerzählerin Clarisssa Pinkola Estes führt uns eindrücklich in diese Welt:

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Der Mythos der Skelettfrau

Die Skelettfrau

Jahre vergingen, bis sich niemand mehr daran erinnern konnte, gegen welches Gesetz das arme Mädchen verstoßen hatte. Die Leute wussten nur noch, dass ihr Vater sie zur Strafe von einem Felsvorsprung ins Eismeerhinabgestoßen hatte und dass sie ertrunken war. So lag sie für eine lange Zeit am Meeresboden.

Die Fische nagten ihr Fleisch bis auf die Knochen ab und fraßen ihre kohlschwarzen Augen. Blicklos und fleischlos schwebte sie unter den Eisschollen, und ihr Gerippe wurde von der Strömung um- und um- und umgedreht. Die Fischer und Jäger der Gegend hielten sich fern von der Bucht, denn es hieß, dass der Geist der Skelettfrau dort umginge. Doch eines Tages kam ein junger Fischer aus einer fernen Gegend hergezogen, der nichts davon wusste. Er ruderte seinen Kajak in die Bucht, warf seine Angel aus und wartete. Er ahnte ja nicht, dass der Haken seiner Angel sich sogleich in den Rippen des Skeletts verfing! Schon fühlte er den Zug des Gewichts und dachte voll Freude bei sich: „Oh, welch ein Glück! Jetzt habe ich einen Riesenfisch an der Angel, von dem ich mich für lange Zeit ernähren kann. Nun muss ich nicht mehr jeden Tag auf die Jagd gehen.“

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