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Ruf der Seele

 

Give thanks to those who are still going

‚first’. We are a singular organism and

everyone is very important – irreplaceable

in fact – but some of us literally serve as a

scouts or skin, living on the edge, being

the first ones to encounter new psychology,

new perception, new ways of seeing

and being. And just like skin, it is both

extremely pleasurable, full of sensation

and sometimes extremely dangerous ~

often the first thing that gets hurt or damaged

To survive at the surface of experience,

one must be constantly dying and renewing

themselves, constantly shedding from

exposure to intense Light and the sometimes

hard impacts of the Truth of what is

out there. And just like skin, this type of

person is often on the outside – in contact

with the body and in need of connection to

heart, mind, and community but because

of their love of something more, they are

never surrounded by the communities they

are part of or were birthed from.

In some sense, one could see shamans in

this way. We go to them and ask, „what am

I actually touching? I know what I am

seeing, but what is actually there were I

able to reach out and touch it? There is a

fractal nature here, where we are all this.“

Kurd Hardesty

 

Als sie sich einmal mehr aufmachte, die Lebensquelle zu suchen, behüteten die Wölfe ihren Schlaf und somit auch das Innerste ihrer Seele. Der Falke kreiste über ihr und wachte über ihren freien Geist. So zog sie in mannigfaltigen Formen übers Land, heilte, wo sie es vermochte und liebte ungezähmt und ohne Sorgen um den nächsten Tag. Stolz um die dicken Narben, die das Gehen auf der Erde in ihre Fußsohlen gebrannt hatte, beschränken sich ihre Ansprüche auf das Wenigste und ihre Verbundenheit zur Quelle der göttlichen Mutter nährte sie tief und köstlich.

Wenn sie sesshaft wurde für die Belange ihres Clans und die Bedürfnisse der Andern wichtiger waren als der Geschmack ihres eigenen Lebenshungers, wurde sie mitunter müde und kraftlos. Sie verweilte nun zu lange an einem einzigen Ort wanderte nicht mehr hinaus in die Prärie. So schlief sie viele Nächte ohne die Sternenkraft des freien Himmels über ihr und vergaß dabei der Stille Raum zu geben, in der die Stimme ihrer Seele sprach. Dann würde die Frau ihr Seelenkleid ablegen und für lange Zeit vergessen, woher sie einst gekommen war.

Ängstlichkeit und Sorgen verhärteten nun stattdessen ihr Gesicht und der Körper würde ein Teil seiner Elastizität verlieren durch die beständigen Kontraktionen von Furcht um das, was sie umsorgte.

Dabei hegte sie, die Frau, die Mutter- dieses Leben zärtlich in ihren Armen und oft war es die Sorge um das heranwachsende Leben der Kinder und ihres Clans welches sie zu einer aufrichtigen Bedächtigkeit und Vorsicht mahnte, so dass sie das wilde freie Wesen vergaß, dass sie in Wirklichkeit war. Sie verwandelte sich zu einem domestizierten Wesen, welches die Regeln der Andern mehr akzeptierte als die Wahrheit die in der Stille ihres Herzens lebte in dem sie sich ihnen unterwarf aus Anpassung und einem Bedürfnis nach Sicherheit, das sie bald mit Liebe verwechselte.

Sie liebte den einen Gefährten an ihrer Seite jeweils aufrichtig und treu und darin fiel es ihr schwer, die eigene Stimme wahr zu nehmen und so begann sie jenen mehr Glauben zu schenken, die sich um sie sorgten, als dem Rufen aus der Tiefe ihrer vermeintlich dunklen Seele.

Du bist zu intensiv. Zu lebendig, es ist gut, dass du zur Ruhe kommst“, würden ihre Freunde sagen.

Du bist unlogisch, irrational – zu kompliziert – denk nicht so viel nach, sondern mach dich nützlich

sagten die Anderen. „Chaotisch, sie bricht Naturgesetze

– vielleicht ist gar verrückt?“, mutmaßten die Nächsten, wenn sie sich unruhig und nervös im Schlaf wälzte und träumte, sie würde fliegen oder durch wildes Gewässer schwimmen.

Du gehörst zu uns. Deine Träume werden sich auflösen. Du wirst sehen. Hab Geduld und warte noch ein bisschen“. So beruhigten sie jene, welche ihr das Gute wünschten in der Sicherheit ihrer Gemeinschaft. Wohl sah sie ihre Fürsorge und schämte sich insgeheim dafür, dass keine Zusicherung den Hunger stillen konnte, der sie aufschürfte und unruhig machte.

Ich möchte nur, dass du glücklich bist“, sagte der Mann an ihrer Seite.

‚Ich möchte so gerne glücklich sein‘, dachte sie. „Ich bleibe bei dir und vertraue dir “, antworte sie ihm .

Es war das Versprechen mit dem sie ihre Seele an eine unsichtbare Kette binden ließ.

Träume, die sie verfolgten von Zeiten, lange bevor sie sesshaft war, hielten ihre Seele wach, gefüllt mit dem Duft der weiten Wiesen und dem Sternenstaub der Nächte in der weiten endlosen Prärie.

artwork by Carter Murdoch
artwork by Carter Murdoch

 

Die Wölfe riefen sie des Nachts verzweifelt und unermüdlich hinaus, dorthin wo sie unter dem Leuchten des großen Himmels die Weite des Universums wusste, und sie erinnerten sie : Du warst geboren um Eins zu sein – Damit.

Dort draußen ist die Grenze von Diesseits und Jenseits. Die Wölfe forderten sie auf, ihren Willen einzusetzen und eine Entscheidung zu treffen. Sie riefen ihr warnend ihre Seele zurück ins Leben.

Womit sie sich identifizierte, war eine Frage an ihre eigene Kraft. Wählte sie Sicherheit oder Lebendigkeit?

Etwas hatte begonnen ihr den Weg der Überquerung des dünnen Spalts zwischen den Welten schwer zu machen und sie hörte die Warnzeichen der Müdigkeit und Resignation die sie nun immer öfters lähmte.

Es wurde Zeit sich auf einen Weg zu machen, der viel von ihr verlangen würde.

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Aber so war es immer gewesen und so würde es immer sein: die Prüfungen der Seele zum reifen Aspiranten, zum verwirklichten Menschsein jenseits der Prägungen denen wir oft blind und ohne Bewusstsein folgen erfordert Mut und Ausdauer.

Der Pfad, zu dem es sie rief, brachte eine andere Art des Unterwegsseins, als die Frau es bisher kannte.

Ein Weg in das Innere ihrer Seele begleitet von Wächtern und Toröffnern, die sich auf mystische Weise offenbarten. Der äußere Weg ging nicht immer synchron mit der inneren Navigation. Lange wartete sie und oft geduldig, um die Zeichen zu deuten für den nächsten Schritt. In dem sie ihrer Träume reifen ließ wuchs eine Kraft der Beharrlichkeit, bis sie jeweils zu verstehen lernte, wohin die weise Navigation der Seele sie als Nächstes führen sollte.

Deine Psyche wird diese Reise nicht überleben. Du wirst verrückt werden“, sagte einer, der von ihr viel gelernt hatte in den letzten Jahren. „Du wirst zu einsam sein ohne den Rückhalt deiner Gemeinschaft. Keine hat diese Reise je ganz alleine angetreten“, sagte eine, von der sie geglaubt hatte, es wäre eine Schwester. „Bleib bei uns. Bleib bei uns. Verlass uns nicht …“, flüsterten die Vielen.

Nur die Wölfen wich nicht wieder von ihrer Seite und sorgte dafür, auch als ihr Seelenkleid verloren war und die Liebe sie hinausführte in die einsame Prärie, das Vertrauen und Instinkt sie bewahrten, um zu reifen und zu wachsen.

Carter Murdoch
Carter Murdoch

 

So sieht man sie vielerorts wandern. Manchmal mit Tieren und Kindern sprechend, mit den Sternen verbunden und eins mit ihrem Klang, lauscht sie den Gräsern am Wegesrand. In den Falten ihres dunklen Gesichtes tanzen Lachfunken von Tränenglanz und ihre Haut leuchtet umhüllt vom goldenen Glanz der Liebe selbst. Man weiß nie, ob man das Glück hat, ihr zu begegnen, und falls sie am Wegesrand steht, ist ungewiss, ob sie lacht oder gerade weint, denn die Freuden und Tränen sind ihrer Vieler wie die unzähligen Geschichten, die sie im Herzen mit sich trägt.

 

Aus Soulskin. – Cordula Frei