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Notizen am Wegrand

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….Das Licht hat wieder Kraft angenommen und ich träume manchmal ich würde sein weisses Leuchten trinken in mein rotes Blut- alles ist weiss geworden und es schneite seit Tagen, dicke meterhohe Schichten und ich versinke bis zu den Hüften bei meinen Schneewanderungen, menschenleer die Wälder nur die Spuren der unzähligen Waldbewohnern. Ich liebe es, die graue Stadt unter mir zu lassen und oben in den Bergen die eiskalte Luft in mich einzusaugen, während meine Tochter nach den Pferden sieht. Ich sehne mich so sehr nach der kleinen Hütte Oben auf dem Berg wo der Mond mich liebkost im Schlaf und die Sterne am Morgen noch leuchten. Dennoch,  es ist gut in der Stadt zu leben und die Arbeit formt den Alltag in Strömen von Menschen, Projekte, Freunde ins Haus und die Wärme die das alte Gemäuer verbreitet und Platz für Viele macht mich froh. Nach meiner Rückkehr bewohne ich die kleine Besenkammer fast, da ist Nichts und ich sehe Nichts wenn ich aus dem Fenster blicke, ausser die Dächer der Stadt- kein Vogel und kein weiter Himmel der mich behütet, manchmal ersticke ich daran, aber wende mich tief in s Innern dort wo es frei ist, die Träume tiefer und satter und die Ablenkungen unmöglich.

Du mein Freund, wenn ich Dir zuhöre, spüre ich deinen Widerstreit und erschrecke mich manchmal über meine schamlose Offenheit mich nicht abweisen zu lassen von deinem vermeintlichen Schweigen, als wären es nur weitere herkömmliche Klischees, die es zu bedienen gäbe oder eben auch nicht. Immer wieder prüfe ich mich selbst, ob ich der runden Seele nicht einfach vertrauen soll die mir Dinge erzählt, über dich und die Liebe und das Eine Unfassbare, was ich noch vor mir weiss und ja, man könnte es schwimmen nennen, so man schwimmt ohne den Boden zu wissen, aber ich habe gelernt diesem Strom zu vertrauen und mich liebkosen zu lassen von den Ebenen die ich nicht verstehe, tief eintauchen und das geschmeidige Wasser zu lieben, wie es mich berührt wo sich Wirklichkeiten bilden ausserhalb der bedingten und kurzen Zeit die einem Jeden geschenkt ist.

Denn kurz ist die Zeit und kostbar für das, was Körper nur erfahren können in Langsamkeit, Ja und Atem. Manchmal atme ich ES dann ganz langsam und fast förmlich im Raum, dann atemlos  oft und schnell weil mir die Zeit verrinnt, so scheint es ein Anteil in mir zu befürchten, weil es noch so viel zu Leben, zu erfahren gilt und die Schönheiten da Draussen voller staunendem Zauber sind, den ich in mich hineinnehmen und feiern möchte.

Ja ich WILL, und ich will nicht mehr zögern und zaudern und Bedingungen stellen an das Leben und verhandeln, diese stete Unruhe immer, in meinem Wesen an einen Ort gebunden zu sein und zu warten auf die Zeichen der Zeit und der Resonanz im Ungetrennten Sein mit dem Anderen /der Anderen, der Wirklichkeit in der ich mich viel mehr zu Hause fühle als in dem linearen Ablauf der Alltäglichkeiten, die in sich jedoch auch eine Kunst sind die ich pflege und nähre.

Wie das Kochen, das Feuer machen, Holz holen, die Kinder und ihre Freunde und Freuden und ihre Sorgen natürlich, ihr Wachsen und Entwachsen, die Tiere  die uns begleiten, alte Beziehungen und Neue die sich formen, Versöhnung und Integration die geschehen muss,  so dass sich nichts ausschliesst und alles seinen Platz findet.
Neue Formen die Frieden bringen, weil alles sein darf, so verstreichen die Tage und ich erträume die Kommenden, im Nicht-Begreifen der Kraft die mich zwingend treibt das Eine zu tun und das Andere zu unterlassen, nie werde ich das verstehen und dennoch bin ich darin verstanden, gehalten- Ungetrennt sein, Ja. Das ist es, was ich noch suche, die Vollendung.
– 2015, Cordula Frei, Notizen am Wegrand