images-4

Hal und Sidra Stone im Gespräch mit Cordula Mears-Frei:“Wir werden uns dabei aber nicht im Universum auflösen, sondern durch die Kraft des Bewussten Ich selbstschöpferisch in die Kreation unserer menschlichen Daseinsform hineinwirken.“

„Partnerschaft als spiritueller Weg“

Wen heirate ich und wenn ja wie viele? In Abwandlung eines populären philosophischen Titels unserer Tage zeigt die Voice-Dialoge-Methode (siehe auch unsere  Info3 April-Ausgabe 2011), wie in jedem von uns eine Vielzahl unterschiedlicher und teils widerstreitender „Stimmen“ ein Eigenleben führen. Gerade in Partnerschaften tragen diese Stimmen oder „Teilsebste“ fast immer ihre Konflikte aus – kein Ausweg aus zermürbenden Beziehungen?

Kern der Arbeit von Hal und Sidra Stone, Pioniere der Bewussstseinserforschung und Begründer der Voice Dialogue-Methode („Psychologie der Selbste“) ist die Entwicklung von echten Partnerschaften als Möglichkeit für umfassendes spirituelles Wachstum. Ihre jahrzehntelange und weltweite Tätigkeit als spirituelle Lehrer und klinische Psychologen begründen ihre Erfahrung, wonach sich in der herkömmlichen, von Gewohntheiten geprägten Beziehungsform viele innere Wesensanteile nicht frei entwickeln können, was zu Einseitigkeit und Unausgefülltheit führen kann. In ihrem Buch Liebe bliebt solange sie tanzt zeigen sie einen neuen Weg der Beziehung, die sich dem Prozess zwischen zwei Menschen bedingungslos hinzugeben sucht, ohne sich jedoch in der anderen Person zu verlieren. Dazu braucht es den Mut, innere Glaubensmuster kennenzulernen und zu überprüfen und die Erfahrungswelt des Partners als Katalysator für den eigenen Bewusstwerdungsprozesses einzuladen. Hal und Sidra Stone sind heute 71 und 81 Jahre alt und leben in Kalifornien, wo sie das von ihnen gegründete Delos-Institut leiten. Mit der langjährigen Voice-Dialog-Lehrerin Cordula Mears-Frei, die diesen Ansatz in ihrer Arbeit mit der Anthroposophie verbinden möchte, führten sie das folgende Gespräch.

Cordula: Hal and Sidra, Eure Arbeit ist primär aus eurem Partnerschaftsweg entstanden. In dem Buch Liebe bleibt solange sie tanzt beschreibt ihr, wie sich in einer Partnerschaft nicht zwei Menschen, sondern viele innere, oft widersprüchliche Wesensanteile gegenüberstehen. Wie können sich Mann und Frau heute begegnen, wenn das, was in ihnen gerade spricht, eine Vielzahl von Teilselbsten*(1) zu sein scheint? Sidra, Du hast dich dabei ganz besonders mit dem Teilselbst des „Inneren Patriarchen“ beschäftigt…

Sidra: In meinem Buch The shadow king (Es ist Zeit dass du gehst) habe ich versucht zu beschreiben, wie der Innere Patriarch sich auf die Psyche der Frau auswirken kann. Solange eine Frau, egal wie sehr sie mit einem „emanzipierten Teilselbst“ identifiziert ist, kein Bewusstsein für diese in ihr wirksame Kraft hat, wird sie sich noch so anstrengen können, aber nie frei sein. Der Innere Patriarch tritt paradoxerweise primär in Sorge um die Sicherheit der Frau innerhalb einer Partnerschaft in Erscheinung, aber diese Sorge entspringt einer jahrhundertalten, kollektiven Wunde des unausgeglichenen Machtverhältnisses zwischen Mann und Frau und hat wenig Bezug zur Gegenwärtigkeit. Sein Anliegen ist es, die Frau nett, fügsam und angepasst zu halten, als Bewahrerin des Haushalts und der Kindererziehung. Er möchte damit den Fortbestand von Familie sichern. Er hat dagegen wenig Verständnis für schöpferisch-instinktive Anteile der weiblichen Psyche, welche ihre „Fügsamkeit“ und Zuständigkeit für den Familienerhalt in Frage stellen würde. Tragisch ist, dass sich die Frau in keinerlei Weise darüber bewusst ist, wie stark sie vom Inneren Patriarchen geprägt ist.

Cordula: Was sind  typische Botschaften, die der Patriarch im Innern der Frau zum Ausdruck bringt?

Sidra: Zum Beispiel „Was du tust, ist niemals gut genug. Du musst eine bessere Mutter sein, mehr Fürsorge entwickeln, den Haushalt besser unter Kontrolle haben, dich in das soziale Netz einfügen, du sollst keine Ansprüche für dich selbst haben, streng dich mehr an, damit es dem Mann gut geht, sonst wird er dich verlassen.“  Über alle Ambitionen der Frau außerhalb der Erhaltung der Familie macht er sich lustig, wobei er der Frau durchaus auch eine berufliche Karriere zugesteht – dann „muss sie eben doppelt so hart arbeiten“ – und darf auf Seiten der Familie keine Abstriche machen. Das Verrückte ist, dass dieses Teilselbst im Innern der Frau selbst spricht, ihr aber auch vom Partner oder ehemals von ihren Eltern gespiegelt wird; sie ist also doppelt gefangen. Eine Transformation kann gelingen, wenn sie beginnt, der Sorge des Patriarchen in ihrem Innern Gehör zu schenken. Ansonsten wird sie irgendwann in der Not dieser doppelten Unterminierung die Koffer packen und den längst verdrängten Anteilen gewaltsam Raum schaffen, oder sie resigniert als depressive, lustlose, launische und unermesslich müde Mutter und Ehefrau. Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass dies dann auch das Ende einer kreativen, lebendigen Sexualität bedeutet.

Cordula: Wenn ich Dich so höre, taucht in mir das Bild von Camille Claudel auf, welche ihre schöpferisch-weibliche Seite dem Patriarchen Rodin zur Verfügung stellte…

Sidra: … und der ihr dies zugestand, bis zu dem Augenblick, wo ihre weibliche Kraft seinen Genius überflügelte. Dann schlägt er zu, indem er sinngemäß sagt: „Siehst Du, meine Liebe, ich habe es Dir doch gesagt, jetzt kehrst du schön brav wieder in Deinen netten kleinen Käfig zurück, wo ich Dich dann beschütze und wo Dir nichts passieren kann, denn Du weißt ja, dass du sonst…“

Cordula: „…psychotisch, hysterisch, verrückt wirst und in der Irrenanstalt endest, denn das Weibliche ist zu unberechenbar, zu intuitiv und zu instinktiv, als dass es salonfähig wäre in einer Welt, die vom Patriarchen bestimmt wird.“

Hal: Als Reaktion darauf gibt es für den Mann zwar viele Möglichkeiten, seine Männlichkeit zu entdecken, seine „Wildheit“ und Echtheit zurückzuerobern, wie es z.B. in vielen lobenswerten Männerprojekten geschieht. Letztendlich aber wird er nicht frei sein, wenn er seine „Innere Matriarchin“ nicht bewusst begreift, denn sie wird jede Bestrebung seinerseits nach Freiheit unterminieren. Dieses Teilselbst spiegelt im Großen die Beeinflussung der eigenen Mutter wieder und wird sich weiterhin kontrollierend und manipulierend auf die innere Psyche des Mannes auswirken. Er muss dann, wenn dieses Teilselbst in ihm spricht – „Du solltest, Du musst, tue dies nicht“ –  erkennen, dass „es“ spricht. Bei den meisten Männern ist es diese verdeckte Stimme, die ihr ganzes Selbstbild bestimmt! Deshalb nützt es nichts, wenn ein Mann sich äußerlich als „rebellischer Sohn“ von vermeintlichen Forderungen seiner Lebenspartnerin abwendet, um seine Urkraft zu entdecken; dieses Teilselbst wird danach, als Innere Frau, nur noch stärker die Kontrolle aufrecht erhalten. Dies kann man übrigens sehr eindrücklich in den Träumen von Männern beobachten.

Cordula: Was sind die klassischen Botschaften der Matriarchin im Innern des Mannes?

Hal: „Alles dreht sich bei dir immer nur um Sex. Du bist zu agressiv, zu ungezähmt für diese Welt, benimm Dich, mach Dich nicht dreckig, sei nicht so laut. Frauen wissen besser, wie die Dinge laufen. Männer wissen nicht, wie man fühlt“ – es ist eine Botschaft der totalen Entwürdigung des ursprünglich Männlichen. Das Männliche wird reduziert auf Geldverdienen und die Versorgung der Familie, auch hier geht es darum, den Fortbestand des Familienlebens zu sichern.

Cordula: Als Mutter von zwei heranwachsenden Söhnen und einer Tochter kann ich diese Stimme in mir gut wiedererkennen, wenn sie meinem pubertierendem Sohn ihre weiblichen Wertsysteme aufdrängt: „Sei nicht immer so unordentlich, immer hast Du nur Fußball im Kopf, putz Deine Zähne, wo warst Du denn schon wieder so lange, wo treibst Du dich rum, mach doch mal was sinnvolles…!“ Also überall dort, wo ich als Mutter und Frau die Kontrolle verliere in Bereichen, wo ich als Frau eigentlich nichts zu suchen habe und mich vor der Ungezähmtheit des heranwachsenden Männlichen im Grunde fürchte.

Hal: Ja, überall dort, wo es eine „Mens-World“ gibt – im Sport, bei der Arbeit. Deswegen ja auch die Männergruppen, die ganz bewusst die weibliche Manipulation aus ihrem Kreis bannen, was aber nicht funktioniert, solange sie diese Stimme nicht im Innern erkennen. Zu rebellieren ist der Übergangsritus der Pubertät, und wenn er nicht vollzogen wurde, bleibt ein Mann womöglich sein ganzes Leben in der unbewussten Abwehr zur Frau stecken, was sich natürlich solange nicht zeigt, als er brav seine Rolle als „fügsamer Sohn“ weiterspielt. Aber irgendwann holt ihn seine verdrängte Wut, seine Aggression, seine Autonomie, die ganze wundervolle männliche Lebendigkeit ein und nimmt sich gewaltsam ihren Platz, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Und sofort bricht die ganze Wertung der Matriarchin wieder über ihn hinein…

Cordula: Was verändert sich, wenn Frauen mit diesem Patriarchen gearbeitet haben und seine Wirkensweise durch das Bewusste Ich separieren können?

Sidra: Nun, im Wesentlichen werden Frauen dadurch beziehungsfähig als Mensch, um von Person zu Person in einer Partnerschaft zu stehen. Sie gewinnen die Freiheit, weder rebellisch-emanzipiert noch töchterlich-untergeordnet, oder mütterlich-kontrollierend in einer Partnerschaft zu stehen.

Hal: Und für den Mann könnte dies bedeuten, einer Frau freiwillig zu dienen, ohne den guten Sohn oder den Vater zu spielen, der es nur deswegen tut, weil er eine alte Verlustangst in sich trägt. Um dies zu tun, muss er  dann  „Nein“ sagen  können, wenn er seiner männlichen Autonomie bedarf.

Cordula: Wenn man diese Interaktionen von Teilselbsten versteht, wie können dann Frau und Mann überhaupt eine Beziehung führen, ohne von den Prägungen und Mustern des Unterbewusstseins in ständiger Projektion und Abwehr gefangen zu sein?

Hal: Das ist für mich tatsächlich schwer vorstellbar, wenn man nicht zumindest ansatzweise ein Verständnis über die Wirkungsweise der Teilselbste gewinnt. Wenn Du nicht weißt, dass es hundert Leute sind, die in Deiner Ehe in einem Verhältnis zueinander stehen und nicht nur zwei, wie willst Du dann wissen, wohin Du gehen kannst, um den Boden unter den Füßen zu bewahren?

Es hilft einer Partnerschaft immens, wenn beide Beteiligten wissen, dass zum Beispiel alles, was ich im anderen verurteile, ein verdrängtes Teilselbst*(2) von mir selber ist. Bezieht man sich gemeinsam verbindlich auf diese „Regel“, dann beginnt eine enorme Selbstverantwortlichkeit den Prozess zu beflügeln. Das heißt nicht, dass ich keine negativen Gefühle mehr haben werde, aber ich werde soweit verantwortlich für mich selbst sein, dass ich nach innen den Ursprung dieser Emotion in mir verfolge, anstatt den andern dafür verantwortlich zu machen.

Sidra: Ein wirklicher Schlüssel dazu liegt darin, meine Aufmerksamkeit in den gegenwärtigen Augenblick zu bringen und die Qualität der Verbindung zwischen mir und meinem Partner wahrzunehmen. Dies umfasst immer die Bereitschaft, dass ich meine eigene Verwundbarkeit und meinen Schmerz in mir fühlen muss, statt ihn auf den andern abzuschieben.

Cordula: Das würde bedeuten, dass ich meine Aufmerksamkeit gleichzeitig für mein eigenes Inneres, wie auch für das, was mir vom anderen entgegenkommt, aufrecht erhalte?

Sidra: Ja, absolut.

Cordula: Und es bedeutet weiter, dass ich neben dem Gefühl für meine eigene Verwundbarkeit auch bereit wäre, die Verletzbarkeit und den Schmerz meines Partners in meinem Bewusstsein zu bewahren?

Hal: Ja, Partnerschaften jeder Art sind wirkliche Lehrer. Es gibt immer einen Grund, weshalb ich in einer bestimmten Beziehung bin; mein Gegenüber wird mir immer genau die Anteile spiegeln, die ich noch nicht integriert habe. Wenn die Flitterwochen vorbei sind, wird uns der Partner in all jene verborgensten Winkel, die ich so sicher versteckt hatte, hineinführen. Jetzt hast Du die Chance, Deine ganze emotionale Verdrehtheit und Verwundbarkeit an die Oberfläche kommen zu lassen und gründlich aufzuräumen. Partnerschaft wird so zum spirituellen Lehrmeister. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir den Mut entwickeln müssen, genau das im Andern anzuschauen, was uns am meisten bedroht. Denn genau an dieser Stelle erhalten wir ein riesiges Geschenk.

Weil diese Erfahrung so fundamental erschütternd ist, sehe ich überhaupt keine Möglichkeit eine Partnerschaft zu führen, wenn nicht beide Partner bereit sind, sich hier einer dritten Kraft, nämlich dem Prozess zwischen ihnen, anzuvertrauen. Diese Kraft benenne ich gerne auch als kosmische Intelligenz, etwas, was außerhalb unserer verstandesgemäßen Kontrolle liegt und uns überraschend und unerwartet an ganz neue Impulse führen kann.

Sidra: Was bedeutet, dass ich mich nicht meinem Partner hingebe, sondern dem Prozess zwischen uns. Der Prozess selbst wird zu einer eigenständigen Kraft, der mich auf wunderbare und oft erschreckende Weise aus Identifikationen und Projektionen hinaus führt in das Abenteuer Liebe.

Cordula: Oft wollen wir wohl etwas zu schnell eine Lösung und vergessen womöglich dabei,

dass sich diese transpersonale Kraft nur dann zeigen wird, wenn ich einen Moment innehalte und bereit bin zu lauschen, wenn ich darauf verzichte, alles zu wissen, zu kontrollieren, festzuhalten.

Sidra: Da stimme ich Dir aus ganzem Herzen zu. Ausatmen und auf eine Lösung warten, die wir selbst nicht aus unseren Teilselbsten heraus hätten finden können.

Hal: Ja, das ist wirklich essentiell, denn wir können eine Lösung nicht „machen“. Aus dem Bewussten Ich* (3) heraus entwickeln wir vielmehr die Kraft es zuzulassen, sich dem Unbekannten hinzugeben und nicht zu wissen, wohin es mich als nächstes führen wird.

Sidra: Dabei ist es wichtig, mit dem andern in Fühlung zu bleiben. Teilselbste tendieren dazu, sich abzuschotten und eine solche Erfahrung ohne Kontakt zu meinem Partner zu machen. Du kennst bestimmt auch diesen Typ Frau, die dann für sechs Monate Kind und Mann verlässt um in Indien zu meditieren. Ich glaube, das Wichtigste, was es in einer Partnerschaft gibt, ist sich verbunden zu fühlen – damit meinen wir nicht Abhängigkeit –  wenn ich mich in einem Teilselbst befinde, kann ich jedoch keine echte Verbindung herstellen.

Hal: Es fühlt sich einfach nicht gut an, mit einem Menschen Zeit zu verbringen, der in einem Teilselbst feststeckt. Die Energie vibriert nicht mehr, wir werden müde, nervös, unaufmerksam.

Sidra: In Verbindung zu sein mit meinem Gegenüber kann auch bedeuten, Wut und Schmerz auszudrücken. Aber diese Qualität der Verbindung ist dann belebend, weil ich in Kontakt bleibe. Dazu muss ich natürlich erst einmal diese Gefühle in mir selbst fühlen können, ein Weg der immer den Kontakt zu meinem  Inneren Kind *(4) voraussetzt.

Cordula: Ist das nicht eine Frage, die uns auch außerhalb von Partnerschaften beschäftigt: Wie kann ich mit dieser Welt und meiner Umgebung in einen echten, unmittelbaren Kontakt kommen?

Hal: Ich glaube, dass wir anstelle der Frage „Ist dies gut oder schlecht?“ überlegen müssen: Tut es mir gut, wenn ich mich mit diesem Ort, mit diesem Menschen, mit dieser Sache verbinde? Stehe ich dazu in einem natürlichen, unverfälschten Bezug?“ Je mehr meiner inneren Stimmen ich in mir integriert habe, desto größer wird meine Möglichkeit, mit der Vielheit der Welt mitzuklingen.

Sidra: In unserem Alter haben wir immer mehr die Empfindung, dass sich die Kanten unserer Persönlichkeit auflösen. Es gleicht einer Verschmelzung mit dem gesamten Universum. Und dennoch bleibt diese ganze persönliche Essenz, die mit dem zunehmenden Bewusstseinsprozess immer stärker offenbar wird, durch die wir uns durchaus individuell und persönlich entscheiden, mit was wir uns in Beziehung setzen.

Hal: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in den nächsten 300 Jahren eine feinstoffliche Revolution erfahren werden, teilweise ist dies ja in der Physik oder in der Medizin schon geschehen. Ich gehe also davon aus, dass unsere Wahrnehmung und Entwicklung des feinstofflichen Menschen immer schneller vorangehen wird. Wir werden uns dabei aber nicht im Universum auflösen, sondern durch die Kraft des Bewussten Ich selbstschöpferisch in die Kreation unserer menschlichen Daseinsform hineinwirken.

Cordula Mears-Frei leitet in Basel das Institut für integrative Bewusstseinsarbeit und arbeitet international als  Voice Dialogue Trainerin.

Voice Dialogue in Stichworten

  1. Teilselbst: Teilselbste sind, nach Hal und Sidra Stone, etwa der Verstand, die Kontrolle, das Innere Kind, der ewige Vater, die gute Mutter, der Rationalist und viele andere. Diese Teilaspekte handeln und denken eigenständig innerhalb der menschlichen Psyche und können im Voice Dialogue-Prozess unmittelbar und quasi-physisch wahrgenommen werden. Im Verständnis ihrer Funktion und der dahinter verborgenen Verletzbarkeit entsteht Raum, neue Wesensanteile kennenzulernen und verdrängte Aspekte neu zu integrieren.
  2. Verdrängte Teilselbste: jene Schattenaspekte, die in unserem Wertsystem, in Familie und Kultur keine Entfaltungsmöglichkeit gefunden haben. Viele dieser Teilselbste finden wir in Märchen wieder, wie z.B. dem „wilden Mann“ im Eisenhans oder dem „Aschenputtel“, das vom dienenden Mädchen die Transformation zur Frau erlebt, welche ihr spirituell-visionäres Potential eigenständig in die Hand nimmt, oder die „naive Tochter“, welche in der Verwandlung zur ebenbürtigen Königsfrau  in Wald und in Wildnis, z.B. bei der Hexe Baba Jaga, ihre instinktiven Anteile entwickeln und reintegrieren muss.
  3. Das Bewusste Ich beschreiben Hal und Sidra Stone als die Kraft in unserer Mitte, welche innere und äußere Gegensätze vereinen kann. Während wir in unserem Ego unbewusst immer von einem zum andern Teilselbst wechseln, erfahren wir in der Erkenntnis über die Stimmen, die uns prägen, einen inneren Erfahrungsraum, der seine Handlungsfähigkeit im gegenwärtigen Augenblick neu schöpfen kann, statt vergangenheitsbezogenen Reaktionsmechansimen unterlegen zu sein. Gurdieff beschreibt dieses Phänomen als „Aufwachen aus dem mechanisch-funktionierenden Grundzustand des Menschseins“.
  4. Das Innere Kind ist der oftmals verschüttete Anteil in unserem Inneren, um den sich die Teilselbste entwickelt haben, um den Schmerz in einem Zustand der Hilflosigkeit nicht mehr zu fühlen. Oft steht dieses Innere Kind jedoch nicht in Bezug zu dem erwachsenen Menschen, der inzwischen handlungsfähig geworden ist. Die inneren Hauptselbste versuchen automatisch jede Situation abzuspalten, welche diesen verborgenen Schmerz wieder erwecken könnte. Neben dem verletzten Inneren Kind gibt es aber auch das verspielte, magische oder künstlerische Kind, das auch die Fähigkeit zur Nähe und Intimität in sich birgt.

Literatur:

Es ist Zeit dass Du gehst, Sidra Stone, Kösel

Liebe bleibt solange sie tanzt, Hal und Sidra Stone, Constans Verlag

Abenteuer Liebe,  Hal und Sidra Stone, Kösel Verlag

Weitere Information zur Arbeit:

www.delos-inc.com (internationale Voice Dialogue homepage)

www.praxis-integrationsarbeit.de (Voice Dialogue Deutschland)

www.voicedialogue.ch (Voice Dialogue Schweiz)