Don Juan- Carlos Castaneda

Was ist ein Krieger des Lichts

„Unser Schick­sal als Mensch ist zu ler­nen, ob zum Guten oder zum Schlech­ten. Ein Mensch macht sich auf zum Wis­sen, wie er sich zum Krieg auf­macht, hell­wach, vol­ler Furcht und Ach­tung und abso­lu­ter Zuver­sicht. Wer sich auf andere Weise zum Wis­sen oder zum Krieg auf­macht, begeht einen Feh­ler, und wer immer ihn macht, wird seine Schritte ewig bereuen.
Sorge dich und denke nach, bevor du eine Ent­schei­dung triffst, aber sobald du sie ein­mal getrof­fen hast, geh dei­nen Weg, frei von Sor­gen und Beden­ken; denn es erwar­ten dich noch Mil­lio­nen wei­tere Ent­schei­dun­gen.

Nur der Gedanke an den Tod ver­hilft einem Men­schen zu einer so hoch­gra­di­gen Gelöst­heit, dass er sich an nichts mehr hän­gen kann. Er weiß, dass der Tod hin­ter ihm schrei­tet und ihm nicht die Zeit lässt, sich an irgend etwas zu klam­mern. Und so ver­sucht er alles und jedes, ohne sich jedoch daran zu hän­gen. Ein los­ge­lös­ter Mensch weiß, dass es keine Mög­lich­keit gibt dem Tod zu ent­kom­men, er hat nur eines, wor­auf er sich stüt­zen kann: die Macht sei­ner Ent­schei­dun­gen. Er muss sozu­sa­gen Herr sei­ner Ent­schei­dun­gen sein. Er muss ganz begrei­fen, dass er für seine Ent­schei­dun­gen ver­ant­wort­lich ist, und dass, wenn er sie ein­mal getrof­fen hat, keine Zeit für Reue oder Beschul­di­gun­gen bleibt. Seine Ent­schei­dun­gen sind end­gül­tig, ein­fach weil der Tod ihm nicht die Zeit lässt, sich an irgend­et­was zu klam­mern. Und so im Bewusst­sein des Todes, los­ge­löst und mit der Macht sei­ner Ent­schei­dun­gen, lebt der Krie­ger sein Leben wie eine stra­te­gi­sche Auf­gabe. Das wis­sen um sei­nen Tod führt ihn, hilft ihm, sich zu lösen und gibt ihm Kraft und Gelas­sen­heit. Die Macht sei­ner end­gül­ti­gen Ent­schei­dun­gen befä­higt ihn, ohne Bedau­ern seine Wahl zutref­fen, und was er wählt, ist immer stra­te­gisch das beste. So tut er alles, was er tun muss, mit Ver­gnü­gen und mit fri­schen Kräf­ten.
Der Tod ist unser ewi­ger Beglei­ter. Er ist immer zu unse­rer Lin­ken, eine Armes­länge ent­fernt. Er hat dich immer beob­ach­tet. Er wird es immer tun, bis zu dem Tag, an dem er dich anrührt. Was du tun musst, wenn du unge­dul­dig bist, wende dich nach links und frag dei­nen Tod um Rat. Unge­heuer viel Belang­lo­ses fällt von dir ab, wenn dein Tod dir ein Zei­chen gibt, wenn du einen Blick auf ihn wer­fen kannst, oder, wenn du ein­fach das Gefühl hast, dass dein Beglei­ter da ist und dich beob­ach­tet. Der Tod ist der ein­zige weise Rat­ge­ber, den wir haben.“

Der Weg zum Wis­sen und seine vier Feinde:
Furcht ist der erste natür­li­che Feind, den ein Mensch auf dem Weg zum Wis­sen über­win­den muss… Wenn ein Mensch anfängt zu ler­nen, ist er sich über seine Ziele nicht klar. Sein Vor­satz ist schlecht; seine Absicht ist vage. Er hofft auf Beloh­nun­gen, die nie­mals ein­tref­fen wer­den, den er weiß nichts von den Här­ten des Ler­nens. Er beginnt lang­sam zu ler­nen — zuerst Schritt für Schritt, dann in gros­sen Sprün­gen. Und bald sind seine Gedan­ken durch­ein­an­der. Was er lernt ist nicht, was er sich aus­ge­malt hat, und so beginnt er sich zu ängs­ti­gen. Ler­nen ist nie­mals das, was man erwar­tet. Jeder Schritt des Ler­nens ist eine neue Auf­gabe, und das Erle­ben der Furcht nimmt erbar­mungs­los und unnach­gie­big zu. Sein Vor­satz wird ein Schlacht­feld. Und so ist er über den ers­ten sei­ner natür­li­chen Feinde gestol­pert: die Furcht!
Ein schreck­li­cher Feind– tückisch und schwie­rig zu über­win­den. Er bleibt an jeder Weg­bie­gung ver­bor­gen, lau­ernd, war­tend. Und wenn der Mensch, erschreckt durch ihre Anwe­sen­heit, fort­läuft, wird sein Feind seine Suche been­det haben. So wird er nie­mals ler­nen, nie­mals ein Wis­sen­der wer­den. Möchte er dies, darf er nicht fort­lau­fen… Er muss seine Furcht besie­gen, er muss ihr trot­zen und den nächs­ten Schritt des Ler­nens gehen und den nächs­ten und den nächs­ten. Er muss nur aus Furcht beste­hen, und doch darf er nicht auf­hö­ren. Das ist die Regel! Und ein Moment wird kom­men, wo sein ers­ter Feind zurück­weicht. Der Mensch beginnt, sich sei­ner selbst sicher zu sein. Sein Vor­satz wird stär­ker. Ler­nen ist nicht län­ger eine erschre­ckende Auf­gabe. Wenn die­ser glück­li­che Augen­blick kommt, kann der Mensch sagen, dass er sei­nen ers­ten natür­li­chen Feind besiegt hat… Es geschieht all­mäh­lig, doch wird die Furcht plötz­lich und schnell über­wun­den. Wenn ein Mann die Furcht über­wun­den hat, ist er für den Rest sei­nes Lebens frei von ihr, weil er statt der Furcht, Klar­heit gewon­nen hat — eine Klar­heit der Gedan­ken, die die Furcht aus­löscht.

Der zweite Feind auf dem Weg zum Wis­sen ist die Klar­heit der Gedan­ken.


Sie ist schwie­rig zu erlan­gen aber sie macht auch blind, sie zwingt einen sich nie­mals selbst anzu­zwei­feln. Sie gibt Sicher­heit, alles zu tun, was einem gefällt. Man wird mutig und schreckt vor nichts zurück. Es ist aber ein Feh­ler, es ist wie etwas Unvoll­stän­di­ges. Wenn der Mensch die­ser vor­ge­täusch­ten Macht nach­gibt, ist er von sei­nem zwei­ten Feind besiegt wor­den, und er wird mit dem Ler­nen spie­len. Er wird eilen, wenn er gedul­dig sein sollte, oder er wird gedul­dig sein, wenn er eilen sollte… Um von die­sem zwei­tem Feind nicht besiegt zu sein, muss man sei­ner Klar­heit trot­zen…

Der dritte Feind auf dem Weg zum Wis­sen ist die Macht, der stärkste aller Feinde.
Ein Mensch auf die­ser Stufe bemerkt kaum, wie der dritte Feind ihn ein­kreist. Sein Feind wird ihn zu einem grau­sa­men, unbe­re­chen­ba­ren Men­schen gemacht haben. Ein Mensch, der von Macht besiegt ist, stirbt ohne wirk­lich gewusst zu haben, wie mit ihr umzu­ge­hen ist. Solch ein Mensch hat keine Gewalt über sich selbst und kann nicht ent­schei­den, wann oder wie er seine Macht anwen­den soll. Ein Mensch ist nur dann besiegt, wenn er es nicht län­ger ver­sucht und sich selbst auf­gibt. Er muss ein­se­hen, dass die Macht, die er schein­bar gewon­nen hat, nie­mals wirk­lich sein ist. Er muss sich zu jeder Zeit selbst beherr­schen und alles, was er gelernt hat, vor­sich­tig und ehr­lich gebrau­chen. Wenn er sieht, dass Klar­heit und Macht ohne Selbst­be­herr­schung schlim­mer als Feh­ler sind, wird er einen Punkt errei­chen, wo sich ihm alles­fügt. Dann wird er wis­sen, wann und wie er seine Macht gebraucht…Der vierte Feind, der grau­samste ist der Alter.
Ihn kann man nicht wirk­lich schla­gen, son­dern nur bekämp­fen. Man bekommt ein Ver­lan­gen nach Ruhe. Wenn man dem Ver­lan­gen sich aus­zu­ru­hen und zu ver­ges­sen völ­lig nach­gibt, wenn man sich sel­ber in Müdig­keit wiegt, wird man seine letzte Runde ver­lo­ren haben, und sein Feind wird ihn zu einem schwa­chen, alten Geschöpf nie­der­stre­cken. Aber wenn der Mensch seine Müdig­keit abschüt­telt und sein Schick­sal zu Ende lebt, kann er ein Wis­sen­der genannt wer­den, wenn auch nur für den kur­zen Augen­blick, da es ihm gelingt, sei­nen letz­ten unbe­sig­ba­ren Feind abzu­schüt­teln. Die­ser Augen­blick der Klar­heit, der Macht und des Wis­sens ist genug…

Ich habe gelernt, dass die zahl­lo­sen Wege, die man in sei­nem Leben beschrei­tet, alle gleich sind. Unter­drü­cker und Unter­drück­ter tref­fen sich am Ende, und ein­zig die Tat­sa­che bleibt beste­hen, dass das Leben für beide zu kurz gewe­sen ist. Sich etwas zu ver­sa­gen ist bei wei­tem die schlimmste Form sich gehen zu las­sen; es zwingt uns zu glau­ben, wir täten große Dinge, wäh­rend wir in Wirk­lich­keit nur auf uns selbst fixiert sind. Sehen ist das Gegen­teil von Zau­be­rei. Sehen lässt einen die Unwich­tig­keit aller Dinge erken­nen.
Du sprichst zu viel mit dir selbst… Wir füh­ren stän­dig ein inne­res Gespräch. Tat­säch­lich hal­ten wir unsere Welt mir unse­rem inne­rem Gespräch auf­recht. Wann immer wir auf­hö­ren, mit uns zu spre­chen, ist die Welt stets so, wie sie sein sollte. Ein Krie­ger ist sich des­sen bewusst und bemüht sich, die­ses Gespräch ein­zu­stel­len. Vor Allem musst du deine Ohren benut­zen, um dei­nen Augen etwas von ihre Bürde zu neh­men. Wir sind von Geburt an gewöhnt, unsere Augen zu benut­zen, um die Welt zu beur­tei­len. Wir spre­chen mit ande­ren wie mit uns selbst haupt­säch­lich über das, was wir sehen. Ein Krie­ger ist sich des­sen bewusst und horcht auf die Welt; er horch auf die Geräu­sche der Welt… Die Welt ist so-und-so, nur weil wir uns sagen, dass sie so-und-so ist. Wenn wir auf­hö­ren, uns zu sagen, dass sie so-und-so ist, dann wird die Welt auf­hö­ren so-und-so zu sein.”

Die per­sön­li­che Geschichte löschen:
„Ich habe keine per­sön­li­che Geschichte… Eines Tages stellte ich fest, dass ich keine per­sön­li­che Geschichte mehr brau­che, da gab ich sie auf… Du wirst nie­mals wis­sen, wer oder was ich bin, weil ich keine per­sön­li­che Geschichte habe… Dein Vater weiß alles von dir… Er dur­schaut dich völ­lig. Er weiß, wer du bist und was du tust, und keine Macht der Welt kann ihn dazu brin­gen, seine Mei­nung zu ändern… Du musst deine per­sön­li­che Geschichte bestä­ti­gen, indem du dei­nen Eltern, dei­nen Ver­wand­ten und dei­nen Freun­den alles, was du tust erzählst. Wenn du dage­gen keine per­sön­li­che Geschichte hast, sind keine Erklä­run­gen not­wen­dig; nie­mand ist über deine Hand­lun­gen böse oder ent­täuscht. Und vor allem kann dich nie­mand mit sei­nen Gedan­ken fest­le­gen… Wenn nichts als gesi­chert gilt, dann blei­ben wir wach­sam, stets auf der Hut… Es ist erre­gend, nicht zu wis­sen, hin­ter wel­chem Busch der Hase sich ver­steckt, als so zu tun, als wüss­ten wir alles… Wir alle ver­hal­ten uns wie die Beute, der wir nach­stel­len. Das macht uns natür­lich auch zur Beute für jemand oder etwas ande­res. Nun muss ein Jäger, der alles dies weiß, sich darum bemü­hen, nicht mehr selbst Beute zu sein.“

Die eigene Wich­tig­keit ver­lie­ren:
„Die eigene Wich­tig­keit, ist auch etwas, das man auf­ge­ben muss… Du bist so gott­ver­flucht wich­tig, dass du glaubst, das Recht zu haben, an allem Anstoß zu neh­men. Du bist so ver­dammt wich­tig, dass du dir es leis­ten kannst, abzuhauen,wenn nicht alles so läuft, wie du willst… So lange du dich für das wich­tigste auf der Welt hältst, kannst du die Welt um dich her nicht wirk­lich beur­tei­len. Du bist wie ein Pferd mit Scheu­klap­pen, und du siehst nur dich, los­ge­löst von allem übri­gen.
Weil du denkst, bedeu­ten dir die Dinge etwas. Wir ler­nen über alles nach­zu­den­ken, und dann üben wir unsere Augen darin, so zu sehen, wie wir dar­über den­ken. Wir schauen auf uns selbst, den­kend, wir seien wich­tig. Des­we­gen kom­men wir uns dann wich­tig vor. Aber wenn du lernst zu sehen, kannst du nicht mehr län­ger über das nach­den­ken, was du siehst, und wenn du nicht mehr über das nach­denkst, was du siehst wird alles völ­lig unwich­tig. Sich wich­tig füh­len macht einen plump, schwer­fäl­lig und ein­ge­bil­det. Um ein Krie­ger zu sein, muss man leicht und flie­ßend sein.

Uner­reich­bar sein:
„Unner­reich­bar zu sein bedeu­tet, dass man die Welt um einen her nur wohl dosiert berührt. Man isst nicht fünf Wach­teln, man ist nur eine. Man zer­stört nicht die Pflan­zen, nur um eine Barbecue-Grube zuma­chen. Man setzt sicht nicht der Kraft des Win­des aus, wenn es nicht unum­gäng­lich ist. Man benutzt und presst die Men­schen nicht aus, bis sie zu einem Nichts schrump­fen, beson­ders nicht die Men­schen, die man liebt… Uner­reich­bar sein bedeu­tet, dass man bewusst ver­mei­det, sich selbst und andere zu erschöp­fen… Es bedeu­tet, dass man nicht hung­rig und ver­zwei­felt ist, wie der arme Kerl, der glaubt, er bekommt nie wie­der etwas zu essen und so viel ver­schlingt, wie er nur kann, alle fünf Wach­teln auf ein­mal… Ein Krie­ger ist uner­reich­bar, weil er seine Welt nicht aus­presst; er berührt sie behut­sam, ver­weilt solange es nötig ist, und ent­fernt sich dann schnell, fast, ohne eine Spur zu hinterlassen.“

Das ein­zige, was zählt, ist das Han­deln. Han­deln statt spre­chen:


„Wenn ein Mensch beschließt, etwas zu tun, dann muss er es durch­füh­ren, aber er muss die Ver­ant­wor­tung für das über­neh­men, was er tut. Alles, was ich tue, ist meine Ent­schei­dung und meine Ver­ant­wor­tung. Für dich ist die Welt son­der­bar, weil sie dir ent­we­der lang­wei­lig ist, oder aber weil du mit ihr nicht zurecht kommst. Für mich ist die Welt son­der­bar, weil sie erstaunlich,ehrfurchtgebietend, geheim­nis­voll, uner­gründ­lich ist; mir liegt daran, dich zu über­zeu­gen, dass du die Ver­ant­wor­tung über­neh­men musst für dein Hier­sein in die­ser wun­der­ba­ren Welt, in die­ser wun­der­ba­ren Wüste, in die­ser wun­der­ba­ren Zeit.

Ich möchte dich davon über­zeu­gen, dass du ler­nen musst, jede Hand­lung wich­tig zu neh­men, denn du wirst nur eine kurze Weile hier sein, wirk­lich zu kurz, um alle Wun­der die­ser Welt zu erle­ben… Du hast keine Zeit, mein Freund, keine Zeit. Nie­mand von uns hat Zeit… Nimm die Her­aus­for­de­rung an, ändere dich… Die Ände­rung von der ich spre­che, fin­det nie schritt­weise statt; sie tritt plötz­lich ein. Und du berei­test dich auf die­sen plötz­li­chen Akt, der eine totale Ver­än­de­rung brin­gen wird, nicht vor. Hand­lun­gen haben Kraft, beson­ders, wenn der­je­nige, der han­delt, weiß, dass diese Hand­lun­gen seine letzte Schlacht sind. Lass jede deine Hand­lun­gen deine letzte Schlacht auf Erden sein. Nur unter die­sen Bedin­gun­gen wer­den deine Hand­lun­gen die Kraft haben, die ihnen zusteht. Sonst wer­den sie, solange du lebst, die Hand­lun­gen eines ver­zag­ten Men­schen sein. Ich rate dir, dein Leben neu zu über­den­ken und deine Hand­lun­gen in die­sem Licht zu über­prü­fen.
Per­sön­li­che Kraft ist ein Gefühl, so etwas wie Glück­lich­sein. Oder man könnte es eine Stim­mung nen­nen. Per­sön­li­che Kraft ist etwas, dass man unab­hän­gig von sei­ner Her­kunft erwirbt… Ein Krie­ger ist ein Mensch, der nach Kraft jagt… Du musst glau­ben, dass man sich der per­sön­li­chen Kraft bedie­nen kann und dass es mög­lich ist, sie zu spei­chern… Kraft ist eine komi­sche Sache. Um sie zu haben und über sie zu gebie­ten, muss man zuerst Kraft haben. Es ist jedoch mög­lich sie Schritt um Schritt auf­zu­spei­chern, bis man genug davon hat, um ein Gefecht der Kraft zu beste­hen… Es ist dumm, sich ohne Kraft ins Unbe­kannte vor­zu­wa­gen. Man würde nur den Tod fin­den… Alles was ein Mensch tut, hängt von sei­ner per­sön­li­chen Kraft ab.

Für jeman­den, der keine Kraft besitzt, sind daher die Taten eines mit Kraft aus­ge­stat­te­ten Men­schen unglaub­lich. Über eine Kraft nur zu reden, ist sinn­los. Wenn du wis­sen willst, was Kraft ist, und wenn du sie spei­chern willst, dann musst du dich unmit­tel­bar selbst auf alles einlassen.“

Der Eigen­dün­kel:
„Unser Eigen­dün­kel bewirkt, dass wir uns die meiste Zeit unse­res Lebens von irgen­je­man­den gekränkt füh­len. Was uns schwächt, ist unser Gefühl, durch das Tun und Las­sen unse­rer Mit­men­schen ver­letzt zu sein. Ein Krie­ger legt sich ein stra­te­gi­sches Inven­tar zu. Der Eigen­dün­kel ist der Pos­ten, der die meiste Ener­gie ver­braucht — daher das Bestre­ben, ihn los­zu­wer­den… Eines der wich­tigs­ten Anlie­gen eines Krie­gers ist, diese Ener­gie freizusetzen.“

Die Kunst des Pir­schens:


Die Kunst des Pir­schens besteht aus sechs Ele­men­ten, die einen Zusam­men­hang bil­den: Kon­trolle, Dis­zi­plin, Vor­aus­sicht, Timing, Wille, der kleine Tyrann.
„Das umdi­ri­gie­ren die­ser Ener­gie — das ist Make­lo­sig­keit… Ein klie­ner Tyrann ist ein Quäl­geist… Jemand der ent­we­der Macht über Leben oder Tod des Krie­gers hat, oder ihn ledig­lich so lange plagt, bis er sei­nen Weg ver­lässt.
Der Durch­schnitt­mensch, macht den Feh­ler, den klei­nen Tyra­nen ohne eine Stra­te­gie zu begeg­nen, auf die er sich stüt­zen könnte. Er nimmt sich zu ernst und misst sei­nen Hand­lun­gen und sei­nen Gefüh­len zuviel Gewicht bei. Der Krie­ger dage­gen hat eine wohl­durch­dachte Stra­te­gie und ist frei von Eigen­dün­kel. Die Erkennt­nis, dass die Rea­li­tät nur eine von uns selbst gege­bene Deu­tung ist, hält sei­nen Eigen­dün­kel im Zaum.
Bewusst­sein ent­wi­ckelt sich seit dem Moment der Emp­fäng­nis. Sexu­elle Ener­gie ist etwas höchst Bedeu­tungs­vol­les, das kon­trol­liert und sehr behut­sam ein­ge­setzt wer­den soll. Dabei ist die Kon­trolle nicht im mora­li­schen Sinne gemeint son­dern im Sinne des Spa­rens und Umdi­ri­gi­rens von Ener­gie. Der Mensch ist im Irr­tum, wenn er das Mys­te­rium der Exis­tenz miss­ach­tet und einen so sub­ti­lem Akt, wie die Ver­lei­hung von Leben und Bewusst­sein, für einen ledig­lich kör­per­li­chen Trieb hält, den man belie­big ver­bie­gen kann. Krie­ger wis­sen, dass die ein­zige Ener­gie, die wir besit­zen, eine lebens­spen­dende sexu­elle Ener­gie ist. Die­ses Wis­sen macht, dass sie sich stets ihrer Ver­ant­wor­tung bewusst sind.

Lehrern des Don Juan- Carlos Castaneda