Alchemie der Seele

Die Alchemie der Seele von Cordula (Mears-) Frei

ISBN: 978-3-924391-48-5 







Zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffnete Rudolf Steiner mit seinem Buch "Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten" einen geistig-spirituellen Weg zur Befreiung unseres wahren, all-umfassenden Wesens. Rund einhundert Jahre später bringt die Autorin zentrale Elemente dieses Weges, ergänzt durch zeitgenössische Ansätze und eigene Erfahrungen, neu in Fluss.
Mit klaren Gedanken und praktischen Übungselementen wird ein Raum geöffnet, der unmittelbar zur Verwandlung der Seele einlädt.

Aus "Alchemie der Seele", Cordula Mears-Frei, erschienen im Info 3 Verlag


Leserstimmen:

"....Die Psychologie der Selbste nun widmet sich dem Vorhandensein verschiedener „Teilselbste“ in der menschlichen Psyche. Dass der Mensch in verschiedenen Zusammenhängen ganz automatisch „Rollen“ spielt bzw sich in verschiedenen Umfeldern verschieden inszeniert, um zu gefallen bzw als kompetent zu erscheinen und anerkannt zu werden, ist eine alte, nichtsdestominder wichtige psychologische Entdeckung. „Wir alle spielen Theater“, nannte das der Soziologe Erwing Goffman in seinem gleichnamigen Buch (Piper Verlag, München 1973, siehe v.a. S. 19-34, 65-71). Die verschiedenen Rollen werden in der „Psychologie der Selbste“ „Teilselbste“ genannt, in die mensch nicht nur situativ einsteigt, sondern die v.a. aus Verletzungsängsten in der Psyche selbst entstehen und diese prägen – Alchemie der Seele eben. Sie zu integrieren ist dann (logischerweise) Aufgabe der Therapie. Vor diesem Hintergrund liest sich der Steinersche „Schulungsweg“ auf ganze andere, zumindest für mich deutlich klärende und erhellende Art. Dem werden Meditationsübungen, fast ausführlicher als der Text selbst, beigesellt, die jedes Kapitel beenden.
Nicht devachanische Widersacherdämonen, luziferische Gespenster und ahrimanische Teufelchen hindern diesen Weg, sondern höchstens die „Schwierigkeit eines drängenden Willens, der ‚etwas Geistiges schauen‘ möchte“, „die Problematik einzelner Teilselbste“ oder „die Tendenz des Phantasierens“.
„Dies ist gemeinhin die größte Schwierigkeit in der Loslösung von der Vorgabe eines äußeren Lehrers oder seiner Lehre hin zu einer echten, eigenen Erkenntnis. Wir suchen aber eine Wahrheit in unserer eigenen Seele, die weder der Willkür noch subjektiver Phantasie unterworfen ist. … den reinen, unbeschränkten Geist … Dazu muss ich meine eigenen Empfindungen und Gefühle als solche erkannt und aus meinem Innenraum geläutert haben. Nicht sie zu überwinden ist dabei das Ziel, sondern mich in meinem eigenen Verhältnis zu mir selbst wiederzuerkennen.“ (S. 62f. – Hervorhebungen AM)
Ebenso konsequent wie die Verankerung im reinen Gewahrsein, „absoluter Stille und Formlosigkeit“ fordert Mears-Frei auch eine ungebrochene Bejahung von Um- und Mitwelt, fortwährende Pflege von Mitgefühl (S. 52, 89f.) und warnt vor der Tendenz zur „Kälte“, die diese „innerlich distanzierten Introspektion mit sich bringen kann“, wenn nicht auch ein „willentliches Interesse an der Welt“ bewahrt und intensiviert wird (S. 53).
Ich will mich hier ungern zu meinen religiösen Ansichten äußern (die Darlegungen auf diesem Blog sollten möglichst verallgemeinerbar und nachvollziehbar bleiben), aber ich habe diese Meditationen, obwohl oder weil ich mit Steiner diesbezüglich herzlich wenig anfangen kann, als sehr klar und tief erlebt. Dass Esoterik bzw. jede Art spiritueller Praxis in erster Linie Religion (Freuds „ozeanisches Gefühl“ und Schleiermachers „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“) ist, setze ich voraus. Ebenso aber, dass es meditative wie Gebetserfahrungen von Entgrenzung, Weite und unglaublicher Intensität als Erfahrungen gibt, die genuin keineswegs pathologisch (ebensowenig Reisen in außerkörperliche „Welten“, sondern auch neurologisch nachweisbare, innerkörperliche, „nichtduale“ Zustände) sind (vgl. zur durchgehenden historischen Kontinuität und teilweise autonomer Neuentdeckung meditativer Praktiken z.B. im Mesmerismus auf der Suche nach Hypnose im Autogenen Training Baier: Meditation und Moderne, a.a.O).
Auch, wer mit Meditation nichts anfangen kann, muss die Klarheit und v.a. die vermittelnde Haltung zwischen unterschiedlichen Weltanschauungsrichtungen und -ausrichtungen, die hier integriert werden, ferner mit dem geglückten Anspruch, ein Werk Steiners quasi „neu“ zu schreiben, als ungewöhnliches Phänomen innerhalb der „anthroposophischen Szene“ würdigen können. Hier wird eine undogmatische Anthroposophieinterpretation zu einer Art Moderation und Plattform für verschiedene zeitgenössische Ansätze. Schon angesichts der wenigen Aufmerksamkeit, die eine tatsächliche meditative Praxis in der Anthroposophie nach Steiners Tod (welche „in der Regel darin“ „besteht … anhand von Steiner-Zitaten abzuleiten, was der große Meister beispielsweise zu Techno-Musik oder Computern gemeint habe könnte. Das Ergebnis ist ein hoher Ausstoß an bedrucktem Papier…“, Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister, Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1999, S. 13) erfahren hat, ist das Buch zumindest ein interessantes Novum.
Spannend wäre es zusätzlich (vielleicht aber auch nur für meine spezifischen Fragestellungen) gewesen, die psychologischen Muster zu erhellen, die einen „Teilselbste“ noch weiter abspalten und zu autonomen „Wesenheiten“ verselbstständigen lassen. Aber das wäre ein psychopathologischer Ansatz und außerhalb des Radars, den ein Buch mit meditativen Übungen einschlagen will und muss."- Ansgar Martins